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Navigationsbelehrungsfahrt

Aus U-Boot-Archiv Wiki

Ausbildung Navigationsbelehrungsfahrt
Eine Navigationsbelehrungsfahrt war ein praktischer Ausbildungsabschnitt auf See, der speziell für angehende Wachoffiziere und Kommandanten konzipiert war. Sie diente dazu, das theoretische Wissen der Marineschule Mürwik unter schwierigen Realbedingungen anzuwenden und sicherzustellen, dass ein Boot auch ohne Funkunterstützung absolut präzise navigiert werden konnte.
Definition und Zielsetzung
Beginn: Verstärkt ab 1935 als Teil der spezialisierten Offiziersausbildung eingeführt. Meist auf Schulbooten oder Sicherungsfahrzeugen in der Ostsee durchgeführt.
Zweck: Mehrtägige bis mehrwöchige Übung zur praktischen Standortbestimmung. Ziel war die absolute navigatorische Autarkie des Offiziers auf Feindfahrt – ein Fehler konnte den Verlust des Bootes (z.B. in Minenfeldern) bedeuten.
Zentrale Ausbildungsinhalte & "Schikanen"
Methodik: Terrestrische Peilung von Landmarken, Astronomische Navigation mit dem Sextanten (Sonne/Sterne) und kontinuierliche Koppelnavigation (Besteckrechnung) nach Kurs und Logge.
Künstliche Erschwernisse: Während der Prüfung wurden oft absichtliche Fehler eingebaut: Falsche Missweisungen durch den Ausbilder oder "Blindnavigation", bei der der Schüler ohne Brückensicht allein nach Zeit und Logge koppeln musste.
Das "Besteck-Diktat": Der Prüfling musste jederzeit auf Abruf („Besteck bitte!“) den aktuellen Standort binnen Sekunden auf der Karte zeigen können. Zögern wurde als mangelnde Orientierung gewertet.
Prüfungsanforderungen und Fehlertoleranzen
Präzision: Terrestrisch wurde eine Genauigkeit von unter 0,5 Seemeilen verlangt. Astronomisch waren bei schwieriger See 2 bis 3 Seemeilen zulässig, bei Idealbedingungen wurde 1 Seemeile gefordert.
Schnelligkeit: Die Berechnung der Mittagsbreite musste innerhalb von 10 bis 15 Minuten, die Auswertung von Fixstern-Messungen innerhalb von 30 Minuten abgeschlossen sein.
Instrumentenbeherrschung: Strengste Überwachung der Sextanten-Handhabung (Indexfehler-Bestimmung) sowie der präzisen, radierungsfreien Führung des Navigationsteils im Kriegstagebuch.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Sicherheit auf Feindfahrt: Überlebenswichtig in minengefährdeten Gebieten (z.B. Ärmelkanal) oder beim Anlaufen der schwer gesicherten Atlantikstützpunkte. Ein „Verlaufen“ führte zum sofortigen Nichtbestehen.
Qualifikation: Fester Bestandteil des Kommandanten-Lehrgangs oder der Ausbildung zum I. Wachoffizier. In den Stammrollen (BArch RM 121/642) markiert dieser Vermerk den Nachweis der praktischen nautischen Reife.
Quellenverweise - | Invenio Online-Recherche
BArch PERS 6 Personalakten der Seeoffiziere (Dokumentiert die erfolgreiche Teilnahme an den Belehrungsfahrten, z.B. in der Danziger Bucht).
BArch RM 123 Unterlagen der Inspektion des Bildungswesens der Marine. Beinhaltet detaillierte Prüfungsrichtlinien und Fehlertoleranz-Tabellen.
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945". Band II (Systematische Darstellung der nautischen Ausbildung).
Busch / Röll "Der U-Boot-Krieg 1939-1945". (Details zur praktischen Reife der Kommandanten).
Merten, Karl-Friedrich "Nach Kompass". (Schilderungen über die unerbittliche Präzision der astronomischen Navigation).
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