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Artillerielehrgang für U-Wachoffiziere

Aus U-Boot-Archiv Wiki

Ausbildung Artillerielehrgang für U-Wachoffiziere
Dieser spezialisierte Lehrgang bereitete Wachoffiziere auf die taktische Feuerleitung unter den erschwerten Bedingungen eines U-Bootes vor. Im Fokus standen die Handhabung der Deckartillerie für den Handelskrieg sowie die Flugabwehr zur Eigensicherung. Er bildete die fachliche Basis für die Gefechtsstation des II. W.O. auf dem Wintergarten oder am Geschütz.
Ausbildungsziele und Standorte
Anfang & Ziel: Etabliert ab 1935. Hauptziel war die Qualifikation zum Artillerie-Offizier des Bootes, um Überwasserangriffe gegen Frachter und die Abwehr feindlicher Flugzeuge souverän zu leiten.
Standorte: Marineartillerieschulen (Saßnitz, Heiligenhafen) und Marineflakschulen (Swinemünde) in enger Kooperation mit den Unterseeboots-Lehrdivisionen.
Praxis: Intensives Schießen auf See gegen schwimmende Ziele und Luftschleppziele zur Simulation realer Gefechtsbedingungen.
Lehrinhalte und Waffenkunde
Waffensysteme: Feuerleitung der 8,8-cm oder 10,5-cm Deckkanone (Typ VII C / IX) sowie der 2-cm und 3,7-cm Flak. Vermittlung von Munitionskunde (Spreng-, Panzer- und Leuchtgranaten).
Besonderheit Typ XXI: Schwerpunktverschiebung auf die ferngesteuerte Feuerleitung der in den Türmen integrierten 3-cm-Flak-Zwillinge, da schwere Deckgeschütze entfielen.
Besonderheit „Parallexenfehler“: Die Schüler lernten die rechnerische Korrektur der Zielwerte aufgrund der extrem niedrigen Aufstellungshöhe der Geschütze knapp über der Wasserlinie, was die Entfernungsschätzung massiv erschwerte.
Taktische Feuerleitung & Bordalltag
Gefechtsführung: Der Offizier fungierte als „Auge“ des Geschützes. Er war verantwortlich für die Zielansprache, die Übermittlung der Korrekturwerte und die Koordination der Bedienmannschaften unter Zeitdruck.
Besonderheit „Alarmtauch-Sicherung“: Ein kritischer Ausbildungspunkt war das Zeitmanagement zwischen dem letzten Schuss und dem „Klarmachen zum Tauchen“. Der Offizier musste sicherstellen, dass die Verschlüsse gesichert und die Besatzung im Boot war, bevor das Wasser die Brücke erreichte.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Verantwortungsbereich: Der Absolvent (meist der II. W.O.) war direkter Vorgesetzter der Artillerie- und Flak-Gasten und bürgte für die Wartung der Waffen im aggressiven Salzwassermilieu.
Taktischer Wandel: Während anfangs der „Artillerie-Fangschuss“ gegen Einzelfahrer im Vordergrund stand, wurde später die Flak-Präzision zum entscheidenden Faktor für das Überleben gegen alliierte Flugzeuge (z. B. in der Biskaya).
Personalhistorie: In den Stammrollen (BArch RM 121/642) kennzeichnet dieser Lehrgang die einsatzkritische Zusatzqualifikation für Wachoffiziere auf Frontbooten.
Quellenverweise - | Invenio Online-Recherche
BArch RM 123 Akten der Marineartillerieschulen. Beinhaltet spezifische Schießvorschriften für U-Boote und Berichte über Erprobungen der U-Flak.
BArch PERS 6 Personalakten der Kriegsmarine (Vermerke über die Artillerie-Spezialisierung der Wachoffiziere).
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945". Band II (Technische Ausbildung/Artillerie).
Busch / Röll "Der U-Boot-Krieg 1939-1945". (Informationen zur Bewaffnung und taktischen Verwendung).
Bredow, Armin "Die Marineflak" (Details zur Organisation der Flakausbildung).
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