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Beobachter

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Version vom 9. Februar 2026, 12:29 Uhr von Andreas (Diskussion | Beiträge)
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Datenblatt Beobachter
Der Beobachter (B) war weit mehr als nur ein „Gucker“. Er war der eigentliche Mission Commander und taktische Leiter an Bord von Kampf-, Aufklärungs- und Seefernaufklärern. Besonders ist diese Rolle besonders an der Schnittstelle zur Seefernaufklärung (z. B. Focke-Wulf Fw 200 „Condor“) und der Zusammenarbeit zwischen U-Booten und Flugzeugen relevant.
Anfang, Funktion und Aufgaben
Anfang: Die systematische Ausbildung wurde ab 1935 mit dem Aufbau der Luftwaffe und der Marinefliegerverbände (Küstenfliegergruppen) etabliert.
Taktische Führung: Der Beobachter war (oft auch als Offizier) der Kommandant des Flugzeugs, dem der Pilot (Flugzeugführer) unterstand. Er entschied über den Kurs zum Ziel und den Abbruch der Mission.
Navigation: Er war für die Koppel- und Funknavigation verantwortlich – eine lebenswichtige Aufgabe bei langen Flügen über dem Atlantik, um U-Boote punktgenau zu finden.
Waffeneinsatz: Bei Bombern und Torpedofliegern bediente der Beobachter das Zielgerät (z. B. Lotfe) und löste die Bomben oder Torpedos aus.
Aufklärung & Funk: Er wertete das Zielgebiet aus, fertigte Skizzen oder Fotos an und koordinierte die Funkmeldungen an die Landstationen oder direkt an die U-Boot-Gruppen („Wolfsrudel“).
Beobachter der Kriegsmarine
Wenn ein Marineoffizier (oft Fähnriche oder Leutnants) seine Ausbildung zum Beobachter (B) abgeschlossen hatte, änderte sich sein Status grundlegend. Dies war der Moment, in dem aus einem Seemann ein Spezialist für die kombinierte Seekriegsführung wurde.
Status und Verwendung nach der Ausbildung
Nach dem Erhalt des Beobachterabzeichens (oder des gemeinsamen Flugzeugführer- und Beobachterabzeichens) kehrten die Offiziere meist nicht sofort auf Schiffe zurück, sondern wurden in spezialisierte Einheiten der Luftwaffe oder der Marineflieger (solange diese noch existierten) integriert.
Taktische Verwendung: Sie dienten als Staffel-Beobachter in Fernaufklärungsgruppen (z. B. F.A.Gr. 40 – Condor-Gruppe) oder in Bordfliegerstaffeln (z. B. 1./196 für die Bordflugzeuge der Schlachtschiffe).
Mission Commander: Wie bereits erwähnt, waren sie als Marineoffiziere oft die taktischen Kommandanten der Flugzeuge. Sie trafen die Entscheidung, ob ein gesichteter Konvoi gemeldet wurde und wie die Einweisung der U-Boot-Gruppen zu erfolgen hatte.
Schnittstelle zum B.d.U.: Nach einem Einsatz leiteten diese Beobachter die gewonnenen Erkenntnisse (Fotos, Skizzen, Positionsdaten) an die Marine-Verbindungsoffiziere (M.V.O.) weiter, die diese direkt an den Stab von Karl Dönitz funkten.
Rückkehr zur U-Boot-Waffe
Zwischen 1941 und 1943 wurden fast alle diese Marine-Beobachter zur U-Boot-Waffe zurückgeholt.
Grund: Der enorme Bedarf an erfahrenen Offizieren für die Typ VII C-Produktion.
Vorteil: Ein ehemaliger Beobachter war als U-Boot-Kommandant Gold wert. Er beherrschte die Astronomische Navigation perfekt und hatte ein intuitives Verständnis für die Luftgefahr. Er wusste, wann er tauchen musste, weil er die Sichtverhältnisse aus der Luft kannte.
Entstehung und Funktion der Abkommandierungen
In der frühen Kriegsphase und zur Vorbereitung von Großoperationen wurden erfahrene Seeoffiziere (darunter spätere U-Boot-Kommandanten) zur Luftwaffe abkommandiert. Diese Praxis entstand aus der Notwendigkeit, die Zusammenarbeit zwischen Seekriegsleitung (Skl) und Luftwaffe zu verbessern. Man erkannte, dass reine Luftwaffen-Beobachter oft Schwierigkeiten hatten, Schiffstypen korrekt zu identifizieren oder die taktischen Bedürfnisse eines U-Bootes zu verstehen.
Rolle als Beobachter: Die Marineoffiziere wurden zu Beobachtern ausgebildet. Ihre Aufgabe war es, als „Auge der Marine“ im Flugzeug zu fungieren. Sie verstanden die Seemannssprache, kannten die Silhouette feindlicher Zerstörer und wussten genau, welche Informationen der B.d.U. für die Aufstellung eines Wolfsrudels benötigte.
Marine-Verbindungsoffiziere (M.V.O.): Viele dieser Offiziere dienten in den Stäben der Fliegerführer (z. B. Fliegerführer Atlantik) oder direkt an Bord der Seefernaufklärer (z. B. FW 200 „Condor“).
Ende der Abkommandierungen
Die meisten dieser Abkommandierungen endeten zwischen 1941 und 1942, als der Bedarf an U-Boot-Kommandanten für die neue Flut an Bootsneubauten (Typ VII C) explodierte. Die Marine holte ihre Offiziere zurück, um sie nach einer kurzen U-Boot-Ausbildung (u. a. an der Sperrwaffenschule) auf eigene Boote zu setzen.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Augen der Flotte: Marine-Beobachter in Fernaufklärern (wie der Fw 200 Condor) waren entscheidend für die U-Boot-Rudel-Taktik, da sie Geleitzüge einpeilten und die Positionen per Funk an den B.d.U. meldeten.
U-Boot-Offiziere in der Luft: In der Aufbauphase der Marineflieger wurden zahlreiche Seeoffiziere als Beobachter ausgebildet, um ihre nautische Expertise in die Luftaufklärung einzubringen. Viele dieser Offiziere wechselten später zurück zur U-Boot-Waffe.
Personalhistorische Einordnung: In den Stammrollen (BArch RM 121/642) kennzeichnet der Status „Beobachter“ eine hochspezialisierte Laufbahn zwischen Marine und Luftwaffe. In einer U-Boot-Biografie deutet dies oft auf eine frühe Karriere bei den Küstenfliegergruppen hin.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch RM 121 / 162 Dienstvorschriften über die Ausbildung der Marine-Beobachter und die Zusammenarbeit mit der Luftwaffe
BArch RM 121 / 142 Lehrplanunterlagen der Fliegerwaffenschulen (See) für Beobachterlehrgänge (1939–1945)
BArch RL 2-IV / 121 Akten des Generalquartiermeisters der Luftwaffe zur personellen Ergänzung der Marinefliegerverbände
Literaturverweise
Lohmann, W. / Hildebrand, H. H.: Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945 (Band III, Kapitel zur Marineluftwaffe und deren Personalstruktur)
Giessler, Helmuth: Der Marine-Nachrichten- und Ortungsdienst (Bietet Kontext zur Ausbildung in Funknavigation und Ortungstechnik)
Harnack, Wolfgang: Die Verteidigung der Küsten (Details zur Rolle der Seeaufklärer und deren Beobachter für den Küstenschutz)
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