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Zugführerlehrgang: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

 
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| colspan="3" | Der Zugführerlehrgang war eine wesentliche Stufe in der Ausbildung von Unteroffiziersanwärtern (Maat-Anwärtern) und jungen Offiziersanwärtern, um sie zur Führung einer militärischen Untereinheit (eines Zuges) an Land und im formalen Dienst zu befähigen. Der Zugführerlehrgang vermittelte die notwendigen Kompetenzen in der taktischen Gefechtsführung, der Methodik der Ausbildung sowie der Disziplinar- und Personalverantwortung für eine militärische Teileinheit.
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| colspan="3" | Der Zugführerlehrgang war eine wesentliche Stufe in der Ausbildung von Unteroffiziersanwärtern und jungen Offiziersanwärtern. Er diente dazu, das Personal zur Führung einer militärischen Untereinheit (eines Zuges) an Land und im formalen Dienst zu befähigen. Dabei standen Kompetenzen in der taktischen Gefechtsführung, Methodik und Personalverantwortung im Vordergrund.
 
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| colspan="3" | Der Lehrgang diente der Vermittlung von Menschenführung und Vorgesetztenkunde. In der Kriegsmarine war es entscheidend, dass auch technisches oder seemännisches Fachpersonal (beispielsweise auf einem Typ VII C) in der Lage war, eine Gruppe von Soldaten im Landdienst, bei Wacheinsätzen oder im infanteristischen Objektschutz zu führen.
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| Ziel: || colspan="3" | Vermittlung von Menschenführung und Vorgesetztenkunde. Ziel war die Befähigung, eine Einheit (ca. 30–40 Mann) sicher zu führen – sowohl im Exerzierdienst als auch im infanteristischen Objektschutz oder Wachdienst.
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| Methodik: || colspan="3" | Schulung in der soldatischen Vorbildfunktion und der Fürsorgepflicht gemäß Marine-Dienstvorschrift (M.Dv.) Nr. 293. Der Vorgesetzte sollte lernen, durch Fachautorität und Charakter zu führen.
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| colspan="3" | Der Fokus lag auf der Qualifikation zum Vorgesetzten außerhalb des rein technischen Bordbetriebs:
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| Militärischer Drill: || colspan="3" | Beherrschung der Kommandosprache, Formalausbildung und infanteristische Grundlagen (Karabiner 98k, Pistole 08).
 
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| colspan="3" | Exerzierdienst und Formalausbildung: Beherrschung der Kommandosprache und die Fähigkeit, eine Einheit (ca. dreißig bis vierzig Mann) sicher zu führen.
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| Besonderheit "Methodik-Lehrprobe": || colspan="3" | Ein Kernstück war die Durchführung von Lehrproben. Der Anwärter musste beweisen, dass er komplexe Lerninhalte verständlich und motivierend an Mannschaften vermitteln kann. Dies war für die spätere Ausbildung von Fachpersonal (z.B. an der U.L.D.) entscheidend.
 
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| colspan="3" | Infanteristische Grundlagenausbildung: Führung im Gelände, Wachdienstvorschriften und der Einsatz von Handfeuerwaffen (Karabiner 98k, Pistole 08).
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| Besonderheit "Konfliktmanagement": || colspan="3" | In Planspielen wurde der Umgang mit Disziplinarverstößen und zwischenmenschlichen Spannungen geübt. Dies war die psychologische Vorbereitung auf die soziale Enge an Bord eines U-Bootes, wo kleine Konflikte die Gefechtsfähigkeit gefährden konnten.
 
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| colspan="3" | Dienstunterricht: Vermittlung der Disziplinarstrafordnung und der Rechte und Pflichten eines Vorgesetzten gemäß der Marine-Dienstvorschrift Nummer 293.
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| colspan="3" | Erziehung: Schulung in der soldatischen Vorbildfunktion und der Fürsorgepflicht gegenüber unterstellten Mannschaften wie dem Obermatrosen.
 
 
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| colspan="3" | Führung an Land: Für das Stammpersonal der U-Boot-Lehrdivisionen war dieser Lehrgang die Voraussetzung, um als Zugführer (z. B. in Neustadt oder Gotenhafen) die fachliche und militärische Ausbildung der U-Boot-Schüler zu leiten.
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| Führungsnachwuchs: || colspan="3" | Voraussetzung für Unteroffiziere, die für die Kriegsoffiziers-Laufbahn vorgesehen waren (wie Johannes Clemens oder Heinz-Ehlert Clausen). Er bildete die Brücke zwischen technischer Spezialisierung und militärischer Führungsverantwortung.
 
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| colspan="3" | Voraussetzung für Aufsteiger: Unteroffiziere, die für die Kriegsoffiziers-Laufbahn vorgesehen waren (wie etwa Johannes Clemens oder Heinz-Ehlert Clausen), mussten ihre Führungsbefähigung häufig in solchen Lehrgängen unter Beweis stellen.
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| U-Boot-Lehrdivisionen: || colspan="3" | Stammpersonal der Lehrdivisionen (z. B. in Neustadt oder Gotenhafen) benötigte diesen Lehrgang, um als Zugführer die fachliche Ausbildung der U-Boot-Schüler disziplinarisch zu leiten.
 
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| colspan="3" | Personalhistorische Einordnung: In den Stammrollen (BArch RM 121/642) kennzeichnet dieser Lehrgang eine gehobene Führungsqualifikation, die über die rein technische Spezialisierung hinausging.
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| Personalhistorie: || colspan="3" | In den Stammrollen (BArch RM 121/642) kennzeichnet dieser Lehrgang eine gehobene Führungsqualifikation, die den Inhaber für administrative und ausbildende Stabsfunktionen prädestinierte.
 
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! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/ | Invenio Online-Recherche]
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! colspan="3" | Quellenverweise - [https://www.bundesarchiv.de | Invenio Online-Recherche]
 
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| BArch RM 121 / 162 || colspan="3" | Dienstvorschriften über die Ausbildung der Unteroffiziere und Zugführer in der Kriegsmarine
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| BArch RM 123 || colspan="3" | Akten der Unterseeboot-Lehrdivisionen und Ausbildungseinheiten. Beinhaltet Richtlinien zur Vorgesetztenkunde und Lehrgangspläne.
 
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| BArch RM 121 / 642 || colspan="3" | Stammrollen der Marine-Lehrabteilungen mit Nachweisen über die Teilnahme an Zugführerlehrgängen
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| BArch PERS 6 || colspan="3" | Personalakten der Kriegsmarine (Dokumentiert die Beförderungseignung und den Abschluss von Führerlehrgängen).
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| BArch RM 3 / 1024 || colspan="3" | Akten des OKM zur Vereinheitlichung der militärischen Führerausbildung an Land
 
 
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| Lohmann, W. / Hildebrand, H. H.: || colspan="3" | Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945 (Band III, Kapitel zur Ausbildung und Laufbahn der Unteroffiziere und Offiziere)
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| Lohmann / Hildebrand || colspan="3" | "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945". Band II (Abschnitt Personalwesen und Ausbildung).
 
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| Tessin, Georg: || colspan="3" | Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht (Band 14, zur systematischen Übersicht der Marine-Lehrabteilungen)
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| Busch / Röll || colspan="3" | "Der U-Boot-Krieg 1939-1945". (Informationen zum Werdegang der Offiziere und Unteroffiziere).
 
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| Harnack, Wolfgang: || colspan="3" | Die Verteidigung der Küsten (Details zur Rolle der Zugführer bei der Sicherung von Marineanlagen)
 
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| style="text-align:center" colspan="3" | [mailto:ubootarchivwiki@gmail.com ubootarchivwiki@gmail.com] - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132
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| style="text-align:center" colspan="3" | [mailto:ubootarchivwiki@gmail.com ubootarchivwiki@gmail.com] - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132
 
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Aktuelle Version vom 16. Februar 2026, 14:53 Uhr

Ausbildung Zugführerlehrgang
Der Zugführerlehrgang war eine wesentliche Stufe in der Ausbildung von Unteroffiziersanwärtern und jungen Offiziersanwärtern. Er diente dazu, das Personal zur Führung einer militärischen Untereinheit (eines Zuges) an Land und im formalen Dienst zu befähigen. Dabei standen Kompetenzen in der taktischen Gefechtsführung, Methodik und Personalverantwortung im Vordergrund.
Definition und Zielsetzung
Ziel: Vermittlung von Menschenführung und Vorgesetztenkunde. Ziel war die Befähigung, eine Einheit (ca. 30–40 Mann) sicher zu führen – sowohl im Exerzierdienst als auch im infanteristischen Objektschutz oder Wachdienst.
Methodik: Schulung in der soldatischen Vorbildfunktion und der Fürsorgepflicht gemäß Marine-Dienstvorschrift (M.Dv.) Nr. 293. Der Vorgesetzte sollte lernen, durch Fachautorität und Charakter zu führen.
Ausbildungsinhalte & Besonderheiten
Militärischer Drill: Beherrschung der Kommandosprache, Formalausbildung und infanteristische Grundlagen (Karabiner 98k, Pistole 08).
Besonderheit "Methodik-Lehrprobe": Ein Kernstück war die Durchführung von Lehrproben. Der Anwärter musste beweisen, dass er komplexe Lerninhalte verständlich und motivierend an Mannschaften vermitteln kann. Dies war für die spätere Ausbildung von Fachpersonal (z.B. an der U.L.D.) entscheidend.
Besonderheit "Konfliktmanagement": In Planspielen wurde der Umgang mit Disziplinarverstößen und zwischenmenschlichen Spannungen geübt. Dies war die psychologische Vorbereitung auf die soziale Enge an Bord eines U-Bootes, wo kleine Konflikte die Gefechtsfähigkeit gefährden konnten.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Führungsnachwuchs: Voraussetzung für Unteroffiziere, die für die Kriegsoffiziers-Laufbahn vorgesehen waren (wie Johannes Clemens oder Heinz-Ehlert Clausen). Er bildete die Brücke zwischen technischer Spezialisierung und militärischer Führungsverantwortung.
U-Boot-Lehrdivisionen: Stammpersonal der Lehrdivisionen (z. B. in Neustadt oder Gotenhafen) benötigte diesen Lehrgang, um als Zugführer die fachliche Ausbildung der U-Boot-Schüler disziplinarisch zu leiten.
Personalhistorie: In den Stammrollen (BArch RM 121/642) kennzeichnet dieser Lehrgang eine gehobene Führungsqualifikation, die den Inhaber für administrative und ausbildende Stabsfunktionen prädestinierte.
Quellenverweise - | Invenio Online-Recherche
BArch RM 123 Akten der Unterseeboot-Lehrdivisionen und Ausbildungseinheiten. Beinhaltet Richtlinien zur Vorgesetztenkunde und Lehrgangspläne.
BArch PERS 6 Personalakten der Kriegsmarine (Dokumentiert die Beförderungseignung und den Abschluss von Führerlehrgängen).
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945". Band II (Abschnitt Personalwesen und Ausbildung).
Busch / Röll "Der U-Boot-Krieg 1939-1945". (Informationen zum Werdegang der Offiziere und Unteroffiziere).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
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