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Kompanieführer: Unterschied zwischen den Versionen

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| colspan="3" | Der Kompanieführer eine Schlüsselfigur der personellen Führung, insbesondere bei den Marine-Stammabteilungen, Schiffsstammabteilungen und den Marine-Ersatzabteilungen, die das Personal für die jeweiligen Verbände bereitstellten.
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| colspan="3" | Der Kompanieführer war ein Offizier, zumeist im Rang eines Oberleutnants zur See oder Kapitänleutnants, der für die Ausbildung, Disziplin und administrative Verwaltung einer Kompanie (Stärke ca. 150 bis 250 Mann) verantwortlich war. In den Landorganisationen der Kriegsmarine bildete die Kompanie die grundlegende taktische Einheit. Der Kompanieführer war der unmittelbare Disziplinarvorgesetzte der Mannschaften und Unteroffiziere seiner Einheit und trug die Verantwortung für deren militärische Formung.
 
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! colspan="3" | Historischer Kontext & Organisation
 
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| colspan="3" | Dienstgrad: Ein Kompanieführer war in der Regel ein Offizier im Rang eines Leutnants zur See, Oberleutnants zur See oder Kapitänleutnants. In der Endphase des Krieges wurden auch erfahrene Oberfeldwebel (als Kompanieoffiziere) mit der Führung beauftragt.
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| colspan="3" | Aufgabengebiet und Erziehung: Der Kompanieführer leitete den gesamten Dienstbetrieb seiner Kompanie. Dies umfasste die militärische Grundausbildung, die fachliche Schulung sowie die Überwachung der inneren Ordnung. Er wurde dabei vom Kompanieoffizier und dem Kompaniefeldwebel (der „Spieß“) unterstützt. Eine zentrale Aufgabe war die Erstellung von Beurteilungen für Unteroffiziere und Offizieranwärter, die maßgeblich über deren weiteren Laufbahnweg entschieden.
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| colspan="3" | Einsatz in Land- und Frontverbänden: In den Marine-Nachrichtenabteilungen oder Marine-Infanterie-Regimentern (wie etwa dem Regiment Berger oder Regiment Ambrosius) führte der Kompanieführer seine Einheit auch im direkten Erdkampf. Hierbei wechselte sein Schwerpunkt von der administrativen Verwaltung zur taktischen Führung im Gefecht. Er koordinierte den Einsatz der Züge und stellte die Versorgung mit Munition und Verpflegung sicher.
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| colspan="3" | Das Schicksal bei Kriegsende: In der Endphase des Krieges am 08.05.1945 waren die Kompanieführer in den rückwärtigen Diensten und Ausbildungseinheiten oft damit befasst, ihre Einheiten geordnet in die Gefangenschaft zu führen oder die Entlassungspapiere für die Mannschaften auszufertigen. Viele Kompanieführer der Marine-Lehrdivisionen wurden in den letzten Wochen in „Ad-hoc-Verbänden“ an die Front geworfen, wo sie unter hohem personellem Verschleiß die Verteidigung von Küstenabschnitten leiteten.
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| colspan="3" | Grundausbildung der U-Boot-Besatzungen: In den Unterseeboot-Lehrdivisionen (U.L.D.) war der Kompanieführer für die erste Phase der Ausbildung zuständig. Er formte aus den Rekruten die späteren U-Boot-Männer und achtete auf die für den Dienst auf engem Raum notwendige Disziplin und Kameradschaft. Sein Urteil entschied oft darüber, wer für den spezialisierten U-Ausbildungslehrgang (U.A.L.) zugelassen wurde.
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| colspan="3" | Führung des Ersatzpersonals: Die Kompanieführer der U-Boot-Ersatzabteilungen verwalteten das Personal, das auf die Zuweisung zu den Frontflottillen oder auf die Baubelehrungen wartete. Sie stellten sicher, dass die Männer physisch und psychisch einsatzbereit blieben und führten die notwendigen Nachschulungen durch.
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| colspan="3" | Vorbildfunktion für den Führungsnachwuchs: Für die jungen Wachoffiziere, die ihre Ausbildung bei den Lehrdivisionen begannen, war der Kompanieführer das erste Beispiel für militärische Vorgesetzteneigenschaft an Land. Die hier vermittelten Führungsgrundsätze prägten das spätere Verhalten der Offiziere als Kommandanten auf See.
 
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| colspan="3" | Verantwortung: Er war für die militärische Ausbildung, Disziplin und die personelle Verwaltung von etwa 150 bis 250 Mann verantwortlich.
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! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/ | Invenio Online-Recherche]
 
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| colspan="3" | Land- vs. Borddienst: Während auf Schiffen der „Divisionsoffizier“ das Äquivalent war, wurde der Begriff „Kompanieführer“ primär bei Landeinheiten, Ausbildungsschulen (wie der Sperrschule) oder Marine-Schützenregimentern verwendet.  
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| B.Arch. RM 20 / 912 || colspan="3" | Richtlinien für die Ausbildung in der Kriegsmarine (Dokumentiert die Aufgaben und Befugnisse der Kompanieführer in den Lehrdivisionen).
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| B.Arch. RM 123 || colspan="3" | Akten der Marineschulen und Lehrdivisionen (Enthält Berichte über die Führung der Ausbildungskompanien).
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| B.Arch. RM 20 / 904 || colspan="3" | Personalbestimmungen für die Kriegsmarine (Belegt die disziplinarischen Befugnisse und die Rolle im Beurteilungswesen).
 
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! colspan="3" | Literaturverweise
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| Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945: Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. (Band III, Kapitel über das Bildungs- und Erziehungswesen).
 
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| Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945. (Übersicht der Dienststellungen in den Landorganisationen).
 
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| Bundesarchiv Bestand PERS 6 || colspan="3" | Personalakten von Offizieren der Kriegsmarine. Dies ist die primäre Quelle. In den Qualifikationsberichten der Offiziere ist vermerkt, wann und in welcher Abteilung sie als Kompanieführer eingesetzt waren.  
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| Mulligan, Timothy P. || colspan="3" | Die Männer der deutschen U-Boot-Waffe 1939–1945. (Analyse der Ausbildungsstrukturen und der Rolle der Ausbildungsoffiziere).
 
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Aktuelle Version vom 11. Februar 2026, 11:42 Uhr

Datenblatt Kompanieführer
Der Kompanieführer war ein Offizier, zumeist im Rang eines Oberleutnants zur See oder Kapitänleutnants, der für die Ausbildung, Disziplin und administrative Verwaltung einer Kompanie (Stärke ca. 150 bis 250 Mann) verantwortlich war. In den Landorganisationen der Kriegsmarine bildete die Kompanie die grundlegende taktische Einheit. Der Kompanieführer war der unmittelbare Disziplinarvorgesetzte der Mannschaften und Unteroffiziere seiner Einheit und trug die Verantwortung für deren militärische Formung.
Historischer Kontext & Organisation
Aufgabengebiet und Erziehung: Der Kompanieführer leitete den gesamten Dienstbetrieb seiner Kompanie. Dies umfasste die militärische Grundausbildung, die fachliche Schulung sowie die Überwachung der inneren Ordnung. Er wurde dabei vom Kompanieoffizier und dem Kompaniefeldwebel (der „Spieß“) unterstützt. Eine zentrale Aufgabe war die Erstellung von Beurteilungen für Unteroffiziere und Offizieranwärter, die maßgeblich über deren weiteren Laufbahnweg entschieden.
Einsatz in Land- und Frontverbänden: In den Marine-Nachrichtenabteilungen oder Marine-Infanterie-Regimentern (wie etwa dem Regiment Berger oder Regiment Ambrosius) führte der Kompanieführer seine Einheit auch im direkten Erdkampf. Hierbei wechselte sein Schwerpunkt von der administrativen Verwaltung zur taktischen Führung im Gefecht. Er koordinierte den Einsatz der Züge und stellte die Versorgung mit Munition und Verpflegung sicher.
Das Schicksal bei Kriegsende: In der Endphase des Krieges am 08.05.1945 waren die Kompanieführer in den rückwärtigen Diensten und Ausbildungseinheiten oft damit befasst, ihre Einheiten geordnet in die Gefangenschaft zu führen oder die Entlassungspapiere für die Mannschaften auszufertigen. Viele Kompanieführer der Marine-Lehrdivisionen wurden in den letzten Wochen in „Ad-hoc-Verbänden“ an die Front geworfen, wo sie unter hohem personellem Verschleiß die Verteidigung von Küstenabschnitten leiteten.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Grundausbildung der U-Boot-Besatzungen: In den Unterseeboot-Lehrdivisionen (U.L.D.) war der Kompanieführer für die erste Phase der Ausbildung zuständig. Er formte aus den Rekruten die späteren U-Boot-Männer und achtete auf die für den Dienst auf engem Raum notwendige Disziplin und Kameradschaft. Sein Urteil entschied oft darüber, wer für den spezialisierten U-Ausbildungslehrgang (U.A.L.) zugelassen wurde.
Führung des Ersatzpersonals: Die Kompanieführer der U-Boot-Ersatzabteilungen verwalteten das Personal, das auf die Zuweisung zu den Frontflottillen oder auf die Baubelehrungen wartete. Sie stellten sicher, dass die Männer physisch und psychisch einsatzbereit blieben und führten die notwendigen Nachschulungen durch.
Vorbildfunktion für den Führungsnachwuchs: Für die jungen Wachoffiziere, die ihre Ausbildung bei den Lehrdivisionen begannen, war der Kompanieführer das erste Beispiel für militärische Vorgesetzteneigenschaft an Land. Die hier vermittelten Führungsgrundsätze prägten das spätere Verhalten der Offiziere als Kommandanten auf See.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
B.Arch. RM 20 / 912 Richtlinien für die Ausbildung in der Kriegsmarine (Dokumentiert die Aufgaben und Befugnisse der Kompanieführer in den Lehrdivisionen).
B.Arch. RM 123 Akten der Marineschulen und Lehrdivisionen (Enthält Berichte über die Führung der Ausbildungskompanien).
B.Arch. RM 20 / 904 Personalbestimmungen für die Kriegsmarine (Belegt die disziplinarischen Befugnisse und die Rolle im Beurteilungswesen).
Literaturverweise
Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945: Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. (Band III, Kapitel über das Bildungs- und Erziehungswesen).
Hildebrand, Hans H. Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945. (Übersicht der Dienststellungen in den Landorganisationen).
Mulligan, Timothy P. Die Männer der deutschen U-Boot-Waffe 1939–1945. (Analyse der Ausbildungsstrukturen und der Rolle der Ausbildungsoffiziere).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
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