Aktionen

Nachrichtenschule: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

 
(5 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
{| style="background-color:#FFFFE0;border-color:black;border-width:3px;border-style:double;width:80%;align:center"
+
{| style="background-color:#FFFFE0;border-color:black;border-width:3px;border-style:double;width:100%;align:center"
 
|-
 
|-
| style="width:2%" |
+
| || colspan="3" |
 +
 
 +
{| class="wikitable" style="width:100%; table-layout:fixed;"
 
|-
 
|-
| || colspan="3" | '''Marine-Nachrichtenschulen''' (MNS) waren Militärschulen der Reichsmarine und der Kriegsmarine, die Gasten im Fernmeldewesen (Funk) und Ortung ausbildeten.
+
| style="width:25%" |
 +
| style="width:75%" |
 
|-
 
|-
| || colspan="3" | Bereits von 1920 bis 1925 bestand in Mürwik eine Marinenachrichtenschule, welche von 1925 bis 1934 als Torpedo- und Nachrichtenschule (TNS) weitergeführt wurde.
+
! Dienststelle
 +
! '''Marinenachrichtenschule (M.N.S.)'''
 
|-
 
|-
| || colspan="3" | Bei der Aufrüstung der Wehrmacht wurden mehrere Nachrichtenschulen mit Lehr- und Versuchseinheiten aufgestellt. Im März 1934 hatte die Marinestation der Ostsee die Trennung der Torpedo- und Nachrichtenschule in Mürwik befohlen. Beide Schulen erhielten neue Gebäude. Es folgten weitere Gründungen von Marinenachrichtenschulen, u. a. war ab 1939 auch eine Marine-Nachrichtenschule in der Nähe von Berlin geplant, aber nicht realisiert.
+
| ||
 +
|-
 +
| ||
 +
|-
 +
| colspan="3" | Die Marinenachrichtenschule war die zentrale Ausbildungseinrichtung für den gesamten Nachrichten- und Funkdienst der Kriegsmarine. Sie spielte eine Schlüsselrolle für die Unterseeboot-Waffe, da die sichere Kommunikation und Verschlüsselung die Grundvoraussetzung für die operative Führung und die Durchführung der Rudeltaktik darstellte.
 +
|-
 +
| ||
 +
|-
 +
| ||
 +
|-
 +
! colspan="3" | Standorte und Entwicklung
 +
|-
 +
| ||
 +
|-
 +
| M.N.S. I Flensburg-Mürwik: || colspan="3" | Hauptstandort und traditionsreichstes Stammhaus in massiven Kasernenanlagen. Hier fand primär die Ausbildung der Offiziere (Crews 37/38) in Kryptografie und Nachrichtentaktik statt. In den letzten Kriegswochen 1945 war die Schule Teil des "Sonderbereichs Mürwik" der Regierung Dönitz.
 +
|-
 +
| M.N.S. II Aurich: || colspan="3" | Eröffnet 1940 in der Blücher-Kaserne. Größtes Zentrum für Mannschaften und Unteroffiziere. Bekannt für extrem hohe Anforderungen an die Hörgeschwindigkeit beim Morsen unter Störgeräuschen.
 +
|-
 +
| Weitere Standorte: || colspan="3" | Die M.N.S. III in Husum (Landnachrichtendienst/Funkaufklärung) sowie die spezialisierte Schule für Funkmesskunde in Stolp-Reitz (Pommern) zur Ausbildung an Radargeräten wie Metox oder Hohentwiel.
 +
|-
 +
| ||
 +
|-
 +
| ||
 +
|-
 +
! colspan="3" | Gliederung der Ausbildungsinhalte
 +
|-
 +
| ||
 +
|-
 +
| Funk- und Signalwesen: || colspan="3" | Ausbildung im Geben und Lesen von Morsesignalen, Betrieb von Kurz- und Längstwellensendern sowie die Beherrschung der Funkverkehrsverfahren zur Minimierung der Peilgefahr durch Kurzsignale.
 +
|-
 +
| Kryptografie (Enigma): || colspan="3" | Zentraler Schwerpunkt war die fehlerfreie Bedienung der Schlüsselmaschine Enigma. Die Sicherheit der Verschlüsselung galt als Lebensversicherung der Besatzungen; jeder Fehler konnte dem Gegner den Standort preisgeben.
 +
|-
 +
| Funkmesskunde (Radar): || colspan="3" | Ab 1943 Ausbildung an Radardetektoren und aktiven Ortungsgeräten. Aufgrund der Luftgefahr besuchten fast alle Nachrichtenoffiziere nach dem Grundlehrgang diese Spezialkurse.
 
|-
 
|-
| || colspan="3" | Die Schulen wurden der Marinenachrichteninspektion (N.J.) unterstellt, welche bis Mitte Juni 1941 existierte. Anschließend waren die Schulen dem Höheren Kommandeur der Marinenachrichtenschulen (H.K.N.) unterstellt.
+
| ||
 
|-
 
|-
| || colspan="3" | Als 1938 die Ausbildungskapazitäten der Schule erreicht wurden, wurde die Marine-Nachrichtenschule Aurich, Warren-Müritz (1941) und Rantum/Sylt (1943) eingerichtet.
+
| ||
 
|-
 
|-
| || colspan="3" | Der Gebäudekomplex lag in den letzten Kriegstagen im Sonderbereich Mürwik. Die Kommunikationsanlagen der Nachrichtenschule dienten der letzten Reichsregierung unter Karl Dönitz als Befehlsübermittlungsstand.
+
! colspan="3" | Bedeutung für die Unterseeboot-Waffe
 +
|-
 +
| ||
 +
|-
 +
| Spezialisierung: || colspan="3" | Nur an der M.N.S. erhielten die Männer den Schliff für den Dienst unter Wasser, inklusive des Empfangs von Längstwellensignalen in großer Tauchtiefe und der Koordination komplexer Funknetze.
 +
|-
 +
| Personalstruktur: || colspan="3" | Die Schule stellte die hochqualifizierten Funkmeister und Nachrichtenoffiziere, die für die Verwaltung der Geheimsachen und die operative Kommunikation mit dem B.d.U. verantwortlich waren.
 +
|-
 +
| ||
 +
|-
 +
! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de | Invenio Online-Recherche]
 
|-
 
|-
 
| ||  
 
| ||  
 
|-
 
|-
| || colspan="3" | Sollten sie weitere Informationen habe, können sie mich gerne kontaktieren. Auch Internet-Links oder Literaturvorschläge können sie mir gerne zusenden. Vielen Dank !
+
| BArch RM 123 || colspan="3" | Akten der Marinenachrichtenschulen I, II und III. Beinhaltet Lehrgangspläne, Prüfungsvorschriften und Berichte über die Funkerausbildung.
 +
|-
 +
| BArch RM 7 / 845 || colspan="3" | Unterlagen der Seekriegsleitung (Skl) zum Nachrichtenwesen und zur Einführung der Funkmesskunde.
 +
|-
 +
| BArch PERS 6 || colspan="3" | Personalunterlagen der Lehroffiziere und Ausbilder an den Standorten Flensburg-Mürwik und Aurich.
 +
|-
 +
| ||
 +
|-
 +
! colspan="3" | Literaturverweise
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| || colspan="3" |E-Mail-Adresse: '''ubootarchivwiki@gmail.com'''
+
| Bonatz, Heinz || colspan="3" | "Die deutsche Marine-Funkaufklärung 1914–1945". (Details zur Organisation und Ausbildung an den Nachrichtenschulen).
 +
|-
 +
| Lohmann, W. / Hildebrand, H. H. || colspan="3" | "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band II, Kapitel zum Nachrichtenwesen und den Schulstandorten).
 +
|-
 +
| Giermann, Joachim || colspan="3" | "Die deutsche Sperrwaffe" (Informationen zur technischen Kommunikation und Signaldisziplin).
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 +
|-
 +
| style="text-align:center" colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
 +
|-
 +
! colspan="3" |
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
 +
| style="text-align:center" colspan="3" | [mailto:ubootarchivwiki@gmail.com ubootarchivwiki@gmail.com] - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132
 +
|-
 +
|}
 
|}
 
|}

Aktuelle Version vom 15. Februar 2026, 17:53 Uhr

Dienststelle Marinenachrichtenschule (M.N.S.)
Die Marinenachrichtenschule war die zentrale Ausbildungseinrichtung für den gesamten Nachrichten- und Funkdienst der Kriegsmarine. Sie spielte eine Schlüsselrolle für die Unterseeboot-Waffe, da die sichere Kommunikation und Verschlüsselung die Grundvoraussetzung für die operative Führung und die Durchführung der Rudeltaktik darstellte.
Standorte und Entwicklung
M.N.S. I Flensburg-Mürwik: Hauptstandort und traditionsreichstes Stammhaus in massiven Kasernenanlagen. Hier fand primär die Ausbildung der Offiziere (Crews 37/38) in Kryptografie und Nachrichtentaktik statt. In den letzten Kriegswochen 1945 war die Schule Teil des "Sonderbereichs Mürwik" der Regierung Dönitz.
M.N.S. II Aurich: Eröffnet 1940 in der Blücher-Kaserne. Größtes Zentrum für Mannschaften und Unteroffiziere. Bekannt für extrem hohe Anforderungen an die Hörgeschwindigkeit beim Morsen unter Störgeräuschen.
Weitere Standorte: Die M.N.S. III in Husum (Landnachrichtendienst/Funkaufklärung) sowie die spezialisierte Schule für Funkmesskunde in Stolp-Reitz (Pommern) zur Ausbildung an Radargeräten wie Metox oder Hohentwiel.
Gliederung der Ausbildungsinhalte
Funk- und Signalwesen: Ausbildung im Geben und Lesen von Morsesignalen, Betrieb von Kurz- und Längstwellensendern sowie die Beherrschung der Funkverkehrsverfahren zur Minimierung der Peilgefahr durch Kurzsignale.
Kryptografie (Enigma): Zentraler Schwerpunkt war die fehlerfreie Bedienung der Schlüsselmaschine Enigma. Die Sicherheit der Verschlüsselung galt als Lebensversicherung der Besatzungen; jeder Fehler konnte dem Gegner den Standort preisgeben.
Funkmesskunde (Radar): Ab 1943 Ausbildung an Radardetektoren und aktiven Ortungsgeräten. Aufgrund der Luftgefahr besuchten fast alle Nachrichtenoffiziere nach dem Grundlehrgang diese Spezialkurse.
Bedeutung für die Unterseeboot-Waffe
Spezialisierung: Nur an der M.N.S. erhielten die Männer den Schliff für den Dienst unter Wasser, inklusive des Empfangs von Längstwellensignalen in großer Tauchtiefe und der Koordination komplexer Funknetze.
Personalstruktur: Die Schule stellte die hochqualifizierten Funkmeister und Nachrichtenoffiziere, die für die Verwaltung der Geheimsachen und die operative Kommunikation mit dem B.d.U. verantwortlich waren.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch RM 123 Akten der Marinenachrichtenschulen I, II und III. Beinhaltet Lehrgangspläne, Prüfungsvorschriften und Berichte über die Funkerausbildung.
BArch RM 7 / 845 Unterlagen der Seekriegsleitung (Skl) zum Nachrichtenwesen und zur Einführung der Funkmesskunde.
BArch PERS 6 Personalunterlagen der Lehroffiziere und Ausbilder an den Standorten Flensburg-Mürwik und Aurich.
Literaturverweise
Bonatz, Heinz "Die deutsche Marine-Funkaufklärung 1914–1945". (Details zur Organisation und Ausbildung an den Nachrichtenschulen).
Lohmann, W. / Hildebrand, H. H. "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band II, Kapitel zum Nachrichtenwesen und den Schulstandorten).
Giermann, Joachim "Die deutsche Sperrwaffe" (Informationen zur technischen Kommunikation und Signaldisziplin).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132