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Nachrichtenoffizier

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Dienststellung Nachrichtenoffizier
Ein Nachrichtenoffizier (N.O.) war ein spezialisierter Seeoffizier, der für die gesamte Kommunikation, Signalübermittlung und Verschlüsselung verantwortlich war. Während er in Stäben und auf U-Booten als Bindeglied zur Landführung (B.d.U.) fungierte und die Sicherheit der Enigma-Schlüsselmittel überwachte, leitete er auf größeren Schiffen (Zerstörer, Kreuzer) eine eigenständige Fachabteilung. Er koordinierte den Funkverkehr, den optischen Signaldienst sowie die Auswertung von Horchdaten (B-Dienst) zur operativen Lagebeurteilung und taktischen Frühwarnung.
Aufgaben und Funktionen (Stab und Überwasserschiff)
Abteilungsleitung: Auf Schiffen Führung der Funkmeister und Signalmaate; Einteilung der Wachen für den 24-Stunden-Betrieb der Funkbude und Signalstationen.
Kryptographie: Alleinige Verantwortung für die Schlüsselmittel (Enigma M4); Verteilung der Tagesschlüssel und Sicherung/Vernichtung geheimer Unterlagen bei Feindgefahr.
Signalwesen: Koordination der optischen Signalübermittlung (Winkern, Scheinwerfer, Flaggen) sowie der internen Befehlsübermittlungsanlagen innerhalb der Bordorganisation.
Horchdienst: Leitung der Funkbeobachtung (B-Dienst) zur Erfassung gegnerischer Signale und Funkortung (HF/DF) zwecks taktischer Warnung vor U-Jagd-Verbänden.
Verbandstaktik: Sicherstellung der störungsfreien Kommunikation innerhalb eines Schiffsverbandes oder einer U-Boot-Gruppe (Rudeltaktik) durch Funk und optische Signale.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Führungshilfe: Zentrale Rolle beim Absetzen von Peilsignalen und Sichtmeldungen, um andere Boote an Geleitzüge heranzuführen oder sicher durch Küstenverteidigungszonen zu leiten.
Abwehrschutz: Fachliche Aufsicht über Funkmessbeobachtungsgeräte (Metox/Hagenuk) zur rechtzeitigen Warnung vor alliierten Radarflugzeugen im Atlantik.
Personal: Besetzung oft mit Offizieren der Nachrichtenlaufbahn (N), die eine hochmathematische und technische Ausbildung an den Nachrichtenschulen absolviert hatten.
Ausbildung: Unterweisung der Funkmaate an Bord in neuesten Verschlüsselungsverfahren und im Umgang mit Störsendern oder neuen Übermittlungsstandards (M.Fu.S.).
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch PERS 6 Personalakten: Werdegänge mit Dienststellungen wie „N.O. auf Zerstörer [X]“ oder „Nachrichtenoffizier im Stab F.d.U. West“ inklusive Qualifikationsnachweisen.
BArch RM 7 Seekriegsleitung: Dokumentiert geheime Weisungen für den Nachrichtendienst und Berichte der B-Stellen zur strategischen Lagebeurteilung im Seekrieg.
BArch RM 30 U-Flottillen: In den Akten der Flottillenstäbe finden sich die vom Nachrichtenoffizier erstellten Funkpläne und Berichte über die Sicherheit der Enigma-Verfahren.
BArch RHD 18 M.Dv. 200 (Bordordnung): Definiert die Befugnisse des N.O. als Abteilungsleiter und seine alleinige Verantwortung für die Verwaltung von Geheimsachen.
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand „Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945“ (Band 2, Abschnitt Nachrichtenwesen: Organisation und Fachpersonal in Stab und Borddienst).
Giessler, Helmuth „Der Marine-Nachrichten- und Ortungsdienst“ (Standardwerk zur technischen und operativen Rolle des Nachrichtenpersonals).
M.Dv. 32 „Bestimmungen für die personelle Verwaltung der Kriegsmarine“ (Regelungen für die Fachlaufbahn der Nachrichtenoffiziere).
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